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Auslandssemester: Land, Leute, Kultur und Studieren in Frankreich

Frankreich - unser großes westliches Nachbarland. Das Land des Essens und des Savoir-vivre, aber auch der Generalstreiks und der Bürokratie. Diese Erfahrungen und noch viele mehr machte ich in den elf Monaten von August 2008 bis Juni 2009 , die ich im „Hexagon" (so nennen die Franzosen ihr Land oft) als Erasmus-Student lebte.

Wusstest du, dass Paris mehr Touristen anzieht als jede andere Stadt der Erde? Es heißt „Paris, c'est la France" - Paris ist Frankreich. Daher dachte ich mir: wenn schon Frankreich, dann auch Paris, und entschied mich für ein Auslandsjahr an der Université Paris-Sud 11.

Das Wintersemester beginnt in Frankreich schon mit der „rentrée" Anfang September, dafür war ich im nächsten Jahr auch schon Ende Mai mit der Uni fertig.

Hinreise

Von Frankfurt und Mannheim fährt der ICE mehrmals täglich nach Paris, Gare de l'Est. Aus München und Stuttgart erreicht man denselben Bahnhof mit dem TGV und Köln ist über den (teuren) Thalys mit der Gare du Nord verbunden.

Umgang mit der lokalen Bürokratie

Wer Deutschland für ein bürokratisches Land hält, wird in Frankreich eines besseren belehrt. Was die Anmelde- und Einschreibeformalitäten angeht, so braucht man zu Beginn des Aufenthalts nämlich vor allem zweierlei: Ausdauer und Passbilder.

Wohnheim, Univerwaltung und Bank wollen im Allgemeinen wechselseitig irgendwelche Bescheinigungen. Deswegen braucht man an einer der betroffenen Stellen jemanden, der einen dieser Nachweise dann doch schon ausstellt, obwohl man noch nicht über die anderen verfügt. Die Verwaltungsangestellten sind gegenüber Erasmusstudenten im Allgemeinen geduldig und hilfsbereit.

Generell gilt: vor oder zu Beginn des Aufenthalts ausreichend Passbilder machen! Ich habe ein gutes Dutzend gebraucht.

Finanzielle Angelegenheiten

Wie alle anderen Erasmusstudenten auch eröffnete ich ein Konto bei der BNP-Paribas.  Die BNP bietet jedes Jahr ein spezielles Studentenpaket an, das eine kostenlose Kreditkarte (Carte Bleue, sehr wichtig in Frankreich) und ein Scheckheft beinhaltet. Ich habe als Eröffnungsprämie 50 Euro erhalten. Für das erste Jahr entfallen die Kontogebühren. Andere Banken haben ähnliche Angebote.

Andere Erasmusstudenten brauchten für ihr Wohnheim noch Versicherungen, die sie auch bei der BNP kostenlos abschließen konnten, dafür dann aber keine Prämie erhielten. Eine Woche vor der Abreise sollte man sich dann wieder bei der Bank melden, um die Kontoauflösungsdetails zu besprechen. Hat man die für das Wohnheimzimmer nötige Versicherung bei der Bank abgeschlossen, so muss man hierzu auch noch eine bei der Wohnheimverwaltung zu beantragende Abreisebestätigung mitbringen.

Unterbringung

Paris ist ein teures Pflaster. Innerhalb des Boulevard Périphérique, der Ringautobahn, ist es schwierig, ein ordentliches Zimmer für unter 400 Euro zu finden. Ich habe mich um einen Platz in der Cité internationale universitaire de Paris bemüht. Dabei handelt es sich um einen internationalen Wohnheimcampus im Süden der Hauptstadt, in dem es auch ein deutsches Haus gibt, die Maison Heinrich Heine (www.maison-heinrich-heine.org). Alle deutschen Studenten müssen sich dort bewerben, was sehr aufwendig ist (Fachgutachten, ärztliches Attest, vier Passbilder, ausführliches Bewerbungsschreiben). Die Plätze sind sehr begehrt (2008: 300 Bewerbungen auf 100 Zimmer), denn die Cité ist der tollste Ort, an dem man als Student in Paris wohnen kann. Die Hälfte der Deutschen bleibt im deutschen Haus, die anderen werden auf die über 30 anderen Wohnheime verteilt, so dass ein kultureller und sprachlicher Austausch möglich wird. Bei mir im Flur reichte die Spanne der Mitbewohner vom kanadischen Pianisten über die argentinische Historikerin bis zur deutsch-türkischen Juristin. Der Nachteil, dass man von relativ vielen Deutschen umgeben ist und somit auch viel Deutsch spricht, wird durch die interessanten Leute und das reiche Sport- und Kulturangebot in der Cité mehr als ausgeglichen. Die Miete beträgt 360 Euro pro Monat, man bekommt von der CAF aber rund 90 Euro Wohngeld erstattet.

Lehre

Das französische Studienjahr ist für die verschiedenen Jahrgänge unterschiedlich lang und dabei konsequenterweise in Teile unterschiedlicher Länge eingeteilt. Der Bachelor heißt in Frankreich Licence, danach schließt sich die Maîtrise, das Masterstudium an. Das französische System ist in manchen Bereichen einer Schule ähnlicher als einer Universität: so wurden bei mir die französischen Studenten zu Beginn des akademischen Jahres in eine von fünf Gruppen eingeteilt, mit der sie dann das Jahr über die Mehrzahl der Übungsgruppen bestritten. Die Hauptfächer sind fest vorgeschrieben und ausschließlich für die Studenten des betref­fenden Semesters gedacht. Wahlmöglichkeiten bestehen - für die Franzosen - im Prinzip nur für das Option genannte Vertiefungsfach. Als Austauschstudent hat man da mehr Freiheiten und kann sich seinen Wunschstundenplan zurechtschneidern.

Sehenswürdigkeiten

Paris bietet an jeder Ecke eine Sehenswürdigkeit. Ich ließ mich gerne einfach treiben und flanierte durchs Marais oder St. Germain des Prés. Abends kann man mit einer Flasche Wein auf dem Pont des Arts zwischen Louvre und dem Institut de France versacken. Alle staatlichen Monumente und Museen sind für Unter-26-Jährige kostenlos. Im Caveau des Oubliettes (www.caveaudesoubliettes.com) bei St. Michel gibt es jeden Abend Livemusik (gratis, Mindestverzehr 6 Euro). Das Amélie-Café „Les deux Moulins" (Metro Blanche) zeichnet sich durch moderate Preise und freundliche Kellner (Seltenheit in Paris!) aus.

Einen Ausflug zum Schloss und in die Wälder von Fontainebleau kann ich wärmstens empfehlen.

Gesundheit, Krankenversicherung

Ich war während meines Aufenthalts kein einziges Mal beim Arzt und kann deshalb nur wiedergeben, was ich von dritten gehört habe. Der große Unterschied zu Deutschland ist, dass man in Frankreich den Arzt am Ende des Besuchs bar bezahlt und dann die Rechnung bei der Krankenkasse einreicht. Auch die deutschen Kassen erstatten die Kosten, wenn man eine europäische Versichertenkarte hat. Wer privat (mit-)versichert ist, braucht eine Bescheinigung (möglichst in französischer Sprache), dass er versichert ist. Da die Franzosen begeisterte Anhänger der Selbstmedikation sind, gibt es fast an jeder Ecke eine Apotheke (sichtbar am psychedelisch blinkenden grünen Kreuz), in der man gegen alle Wehwehchen nicht rezeptpflichtige Mittel kaufen kann.

Manchmal wird für die Teilnahme an Sportkursen ein ärztliches Attest verlangt. Daher kann es nützlich sein, sich schon in Deutschland ein solches ausstellen zu lassen.

Sonstige Tipps

  • Der CROUS de Paris (Studentenwerk) hat eine Billeterie des Spectacles am Port Royal, wo man günstig an Konzert- und Theaterkarten kommt. Im selben Gebäude kann man sonntags für 2,85 Euro brunchen.
  • Beim Kiosque jeune (am Eiffelturm oder hinter dem Hôtel de Ville) bekommt man Freikarten (invitations) für Konzerte und Theaterstücke.
  • An der Opéra Bastille gibt es für jede Vorstellung rund 60 Stehplätze, die am Abend um 18 Uhr für 5 Euro verkauft werden. Wegen der hohen Nachfrage sollte man sich aber schon 1,5 bis 2 Stunden vorher anstellen. Wenn im Saal Plätze frei bleiben, kann man die Platzanweiser fragen, ob man sich setzen darf.
  • Das beste Eis gibt es bei Grom in der Rue de Seine oder bei Berthillon an der Spitze der Ile St. Louis.
  • Das Kino „La Pagode" im 7. Arrondissement ist von außen und innen im japanischen Stil dekoriert. Sehenswert.
  • Das gesamte Theater-, Kino-, und Konzertprogramm findet man in Telerama Sortir und anderen Heftchen, die man für 50 Cent an jedem Kiosk kaufen kann.

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Erstelldatum des Artikels: 15.10.2009, letzte Aktualisierung am: 20.04.2010

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