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Ausbildung > Chance Deutschland: Do's und die Dont's bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
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Chance Deutschland: Do's und die Dont's bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
Nützliche Tipps von der Arbeitsagentur Rüsselsheim

Sicherlich ist die Suche nach einem Ausbildungsplatz in Deutschland generell für alle Schulabgänger nicht einfach - egal ob es sich um einen Deutschen oder einen Ausländer handelt -, aber speziell für die Migranten/- und Migrantinnen haben wir hier ein paar nützliche Tipps von Berufsberatern für euch zusammengestellt, um die Chancen auf dem Markt, anzugleichen. Reinhold Zühlke und seine Kollegin Cornelia Dörsam sind Berufsberater in der Arbeitsagentur Rüsselsheim.

Täglich kommen zahlreiche Jugendliche (darunter auch viele Migranten/Migrantinnen in die Rüsselsheimer Arbeitsagentur, um sich rund um die Themen Ausbildung (betriebliche und schulische Ausbildung), weiterführender Schulbesuch und Weiterbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung, beraten zu lassen. Ihre langjährige Berufserfahrung kann bei der Realisierung individueller Zukunftsperspektiven, auch bei Jugendlichen mit Migrantenhintergrund, sehr nützlich sein. Was sind die Dos und die Dont’s bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz? 

boyng.de: Wie hoch ist der Migrantenanteil des Schülerklientels bei Ihnen?
Cornelia Dörsam:
Es gibt eine Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz. Diese regelt die Zusammenarbeit zwischen der Berufsberatung und den Schulen. Da wird darauf hingewiesen, dass die Kontaktaufnahme der Berufsberater schon in der vorletzten Klasse oder schon früher erfolgen sollte. Der berufsorientierte Unterricht wird gemeinsam mit den Lehrern gestaltet und von uns mit Materialien ausgestattet. Hier liefern wir beispielsweise die Hefte „Was Werden“ oder „Mach’s richtig“. Bei dem letzteren handelt es sich um einen Berufswahlordner, der helfen soll, z.B. seine Interessen und Fähigkeiten zu erkennen, Berufe zu erkunden aber auch eine Hilfe liefert zur ordentlichen Bewerbung um eine Ausbildungsstelle.Reinhold Zühlke: Der Kontakt entsteht aber auch unabhängig von den Rahmenbedingungen, einfach durch die regelmäßigen Gespräche mit Schülern und Lehrern in den einzelnen Schulen. Hier entsteht schon bei entsprechendem Engagement eine vertrauensfördernde Bindung. Wir legen früh Wert auf die Themen Orientierung, Information, Entscheidung und Realisierung. boyng.de: Wie führen Sie Ihre Arbeit weiter fort?Cornelia Dörsam: Wir bieten Zusatzveranstaltungen in Schulen an, es gibt das mobile Berufsinformationszentrum (BIZ), aber wir arbeiten auch aktiv in Schulprojekten mit. Ich habe zum Beispiel einmal eine Projektwoche mitgestaltet und das Projekt „Cooler Auftritt“ begleitet. Dabei wurde geprobt, wie man sich auf Einstellungstests bei Unternehmen vorbereitet, wie man professionell telefoniert. Vom Galli Theater http://www.galli.de/test/gal_htm/Theater/ffm/index_frank.htm war auch ein Schauspieler eingeladen mit dem wir an der Körpersprache der Schüler arbeiteten. Die meisten Jugendlichen erwarten Hilfen zur Vermittlung in die betriebliche Ausbildungen, welche Voraussetzungen sie mitbringen müssen oder wie das Bewerbungsverfahren abläuft. Hierbei geht es vornehmlich um die Ausbildungen im dualen System.

boyng.de: Welche Integrationsprobleme beobachten Sie bei Migranten?

Reinhold Zühlke: Migranten leben oft in 2 völlig unterschiedlichen Welten. Das liegt zum einen daran, dass, sobald sie Zuhause sind, in der Muttersprache gesprochen wird und kulturell ein anderes Umfeld vorherrscht. Oft läuft zu Hause das heimatliche Fernsehprogramm, das nicht förderlich für die Verbesserung der Deutschkenntnisse ist. Das mangelnde Sprachverständnis ist das größte Problem bei Migranten.Integration wird dadurch erschwert. Dieses Problem zeigt sich bei Italienern, gleichermaßen wie bei Türken oder Arabern. Die mangelnden Sprachkenntnisse schlagen sich dann in allen Schulfächern negativ nieder.

Wenn das soziale Umfeld, insbesondere die Eltern aktiv für ihre eigene Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse beitragen würden zum Beispiel durch den Besuch von Intensiv-Sprachkursen, könnte sich hier eine positivere Entwicklung der Kinder von Migranten ergeben.Der Deutsch-(Seiteneinsteigerkurs) an den Schulen reicht allein nicht aus. Grundsätzlich brauchen Schüler von allen Seiten unterstützende Begleitung, um ein gutes Notenbild im Zeugnis zu erreichen, damit eine Bewerbung um eine Lehrstelle auch Erfolg verspricht.  

Cornelia Dörsam: Viele Migranten, die erst viel später zu der Familie hier in Deutschland einreisen und aufgrund ihres Alters nur noch kurze Zeit in der allgemeinbildenden Schule verbringen, bestehen oftmals den Einstellungstest der Firmen nicht, weil sie Verständnisprobleme bei Textaufgaben haben. Hier sollen die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit Abhilfe schaffen.

Reihhold Zühlke: Auch sind oft die Bewerbungen schon mangelhaft. Fehler treten beim Satzbau, bei unverständlichen Formulierungen, beim unordentlichen Format der einzelnen Unterlagen auf. Ein Passbild, wo eine Bewerberin ihr Kopftuch aufhat, führt kaum zum gewünschten Bewerbungserfolg. Bei Vorstellungsgesprächen traditionelle Heimatkleidung anzuziehen wird von Firmen negativ gesehen. boyng.de: Welche Erfahrungen haben Sie mit kulturellen Unterschieden gemacht?Cornelia Dörsam: Es kam schon vor, dass wir erfahren haben, dass Mädchen aufgrund einer Zwangsverheiratung nicht mehr aus den Sommerferien zurückkehrten. Manche freuten sich gar nicht auf die Ferien, weil sie wussten, dass ihnen dort ein Mann für die Heirat vorgestellt wurde. Manche Mädchen vertrauen sich der Berufsberatung an und berichten über ihre Zerrissenheit zwischen ihrer " alten" und "neuen" Welt. Leider wird der Gedanke an eine Ausbildung dann aufgegeben, weil die junge Frau nun für sich und den Ehemann den Lebensunterhalt in Deutschland sorgen muss. So wird sie als Ungelernte künftig auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sein.

Reinhold Zühlke: In einem mir bekannten Fall war es sogar so, dass eine junge Frau hier bereits einen Job hatte, verheiratet aus der Türkei zurückkehrte, und neben Arbeit auch noch den gesamten Haushalt erledigen musste. Ihr Mann saß den ganzen Tag vorm Fernseher, tat nichts ( konnte kein Wort Deutsch) und ließ sich wie ein Pascha bedienen. So etwas ist natürlich deprimierend und ganz klar auf kulturelle und religiöse Unterschiede zurückzuführen.

Wir wissen aber auch von Fällen, wo ein türkischer Vater allen Kindern anriet in Deutschland Abitur zu machen, sich anzustrengen und alle Chancen zu nutzen. Er tat dafür alles, förderte seine Kinder, damit sein Wunsch in Erfüllung gehen konnte. Das sind positive und erfreuliche Entwicklungen. Die Förderung in den Familien ist enorm wichtig. Engagement der Eltern in der Schule z.B. bei der Mithilfe in der Schulcafeteria o.a., sowie bei Elternabenden und anderen Schulveranstaltungen, setzen Zeichen für die eigenen Kinder.boyng.de: Was können Sie zum Thema Kopftuch sagen?Cornelia Dörsam: Da haben wir ganz unterschiedliche Beobachtungen gemacht. Manchmal, ist Jugendlichen, die sich hier beraten lassen, das Kopftuch wichtiger als ein Ausbildungsplatz. Es kam schon vor, dass von der Familie her kein Zwang bestand, ein Kopftuch zu tragen, die Mädchen wollten es ab einem gewissen Alter von sich aus tragen wollten, weil sie eben streng religiös leben wollten und sich damit gut fühlten. Ich habe einigen Mädchen schon vorgeschlagen, wenigstens für das Bewerbungsfoto das Kopftuch wegzulassen, um dann beim Vorstellungsgespräch mit dem Unternehmen darüber zu verhandeln, ob das Tragen eines Kopftuchs während der Arbeitszeit erlaubt sei oder nichtboyng.de: Wem können Sie helfen und wo scheitern Sie?

Cornelia Dörsam: Wer hierher kommt und nur konsumieren will und nicht selbst aktiv wird, der muss damit rechnen, dass wir ihn verpflichten, so mitzuwirken, dass das gemeinsam abgesteckte Ziel auch erreicht werden kann. Wir sind Berufsberater, die die Mitarbeit des Ratsuchenden voraussetzen. Und da gehört auch verändertes Verhalten in der Schule dazu (insbesondere das Arbeits- und Sozialverhalten). Wer ausreichende oder sogar mangelhafte Verhaltensnoten in der Schule bekommt, ist nicht in eine Ausbildungsstelle zu vermitteln! Der Jugendliche ist gesetzlich dazu verpflichtet, bei der Unterbringung in die Ausbildung positiv mitzuwirken. Daher zeigen wir Perspektiven und Wege auf, die der Jugendliche eigenständig oder mit unserer Unterstützung gehen kann. Zuverlässigkeit und Transparenz bei den bisherigen eigenen Überlegungen und Aktivitäten sind dem Berater sehr wichtig. Wer einige Male zu spät zu einem Termin erscheint oder gar nicht kommt, zeigt keinen Willen und keinen Biss, etwas erreichen zu wollen.

Ein guter Bewerbungsverlauf hängt auch wesentlich vom Zusammenwirken beider Partner ab: dem Partner "Ratsuchender" und dem Partner "Berufsberater". Auf den Arbeitsmarkt haben wir leider keinen Einfluss. Entscheidungen müssen die Jugendlichen selber treffen; wir können nur Informationen und andere Entscheidungshilfen wie z.B. Eignungstests zur Verfügung stellen. Bei geforderten Bildungsabschlüssen, die den Ratsuchenden fehlen, entwickeln wir mit ihnen entsprechende Alternativen.

Reinhold Zühlke: Bei 2600 Ratsuchenden im letzten Jahr, waren 940 Migranten. Davon verfügten nur 42 über ein Abitur (32 über Fachabitur). 357 hatten den Hauptschulabschluss und 265 den Realschulabschluss. Für uns Berufsberater wäre es schön zu erleben, wenn wesentlich mehr Jugendliche mit ausländischer Herkunft erfolgreich das Gymnasium absolvieren würden. Gerade in der  IT-Branche sind Bewerber mit Abitur und Fremdsprachenkenntnissen -und nicht nur mit Englischkenntnissen- erwünscht, z.B. aufgrund von Kooperationen mit auslandändischen Firmen.   boyng.de: Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um die Integration von Migranten im Arbeitsmarkt zu fördern? Was sind die Dos and Don’ts?Cornelia Dörsam: Ganz wichtig sind mittlerweile Praktika, sowohl für die Unternehmen, als auch für die Jugendlichen, die sich orientieren möchten. Zudem ist auch eine Mobilität innerhalb des Rhein-Main-Gebietes von großer Bedeutung. Manche Jugendliche, meist Mädchen, dürfen sich nur im Umkreis des Elternhauses bewerben. Frankfurt ist schon zu weit und birgt die bekannten Gefahren einer Großstadt in sich. Diese Elterneinstellung hindert sehr bei der Vermittlung in eine Ausbildungsstelle.

Reinhold Zühlke: Migranten können bei Betriebspraktika durch Pünktlichkeit, Offenheit und Übernahme von Arbeiten , die ihnen übertragen werden, positiv auffallen, sodass die Ausbilder sich bei späteren Bewerbungen an sie erinnern. Wenn Jugendliche auch bei islamischen Feiertagen im Betrieb anwesend sind , wird dies besonders vermerkt. Nach einem Betriebspraktikum sollte der Schüler darauf achten, dass er eine Beurteilung vom Betrieb erhält, die später in Kopie einer Bewerbung beigefügt werden kann. Jugendliche mit ausländischem Hintergrund sollten mehr die verschiedenen Angebote in den Schulen nutzen, nicht nur die des sprachlichen Unterrichts, sondern auch andere projektbezogene Aktivitäten. Wir hören von Ausbildern immer wieder, dass sie in Einstellungsgesprächen nach dem Freizeitverhalten fragen. Ist ein Jugendlicher mit Migrantenhintergrund in irgendeinem Sportverein, bei der Feuerwehr oder sonst noch wo aktiv, deutet dies auf eigenes Bemühen zur Integration in den westlichen Kulturkreis hin.

Wir würden uns als Berufsberater freuen, wenn Eltern ausländischer Herkunft mehr in den Berufswahlprozess ihrer Kinder involviert wären. Dass sie mehr Verbindung zur Schule aufnehmen, an Elternabenden erscheinen und insgesamt ihre Kinder an außerschulischen Veranstaltungen teilnehmen lassen (Klassenfahrten ; Erlebniswochenenden u.a.).Nochmals verweise ich auf die Notwendigkeit zur Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse und der Bewerbungsunterlagen. Dann wird es -hoffentlich- künftig keine unterschiedlichen Marktchancen mehr geben.

Interview und Text: Claudia Doebel (Red.)

Dieses Projekt wird gefördert von:

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Erstelldatum des Artikels: 10.11.2005, letzte Aktualisierung am: 10.12.2010

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nicht lesenswertgeht grade somittelmäßigguter Artikelsehr guter und informativer Artikel

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