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Hamid Rahmati Hamid Rahmati


Lehrerkooperative e. V. Ausbildung: Studium der Kunst im Iran. Erzieherausbildung in Deutschland. Tätigkeit: Kunstdozent im Iran. Erzieher und Gruppenleiter bei der Lehrerkooperative - Bildung und Kommunikation e. V. http://www.lehrerkooperative.de/

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Chance Deutschland: Migrationsstress - ein unterschätzter Faktor?
Integration statt Isolation

Als Teenager hat man jede Menge Sorgen und Nöte: Sei es Liebe, Schule, Eltern - immer wieder gibt es wegen irgend etwas Stress. Wenn du neu in Deutschland bist, hast du zu all dem auch noch mit Problemen zu kämpfen, die anderen Jugendlichen fremd sind: Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, Diskriminierung und Anfeindungen, zahlreiche Behördengänge und manchmal droht gar eine Abschiebung...

Der Stressfaktor bei der Migration


Nimmt man das Thema Migration einmal genauer unter die Lupe, dann fallen einem verschiedene Voraussetzungen auf, warum Menschen in ein andres Land umsiedeln. Es gibt die freiwillige Migration, Flucht (aus politischen Gründen etc.), Arbeitsmigration (bessere Verdienstmöglichkeiten im Ausland). Somit wird klar - Migration kann aus den unterschiedlichsten Gründen geschehen.  Jetzt liest du hier das Wort Migrationsstress. Aber wie stressig ist Migration denn tatsächlich?

Alleine hohe Erwartungen von Migranten an ein neues Land, die nicht selten enttäuscht werden, sind aber noch lange nicht krankmachend. Migrationsstress an sich ist keine Krankheit. Erst der dadurch entstehende Stressfaktor wird zu einem Problem, das sogar zu seelischen Belastungen und psychischen Krankheiten führen kann. Auswanderung als Verlusterfahrung  löst Trauer aus. Diese kann umso schwerer bewältigt werden, je weniger die alltägliche Integration in die neue Umwelt gelungen ist. Verstärkt wird dies durch die Unsicherheit über das eigene Schicksal und das der zurückgelassenen  Familie. Isolation, Zukunftsängste in Bezug auf das Bleiberecht, fehlender Zugang zu Arbeit und Bildung, Erfahrungen von Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit tun ihr übriges.

Migrationsstress kann unter anderem beeinflusst werden durch Sprachprobleme, die Religion, das Alter, die Arbeitssituation, die (oft zu hohe) Fremderwartung und das sind nur ein paar der Faktoren.


Unterschiede erschweren es, heimisch zu werden


Die unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im neuen und im alten Land sorgen für Anpassungsschwierigkeiten. Aber auch soziale Kontrolle in Form von Strukturen und Normen, also die Erwartungshaltung die die Gesellschaft an den Einzelnen hat, erschweren den Zuwanderern die Integration.  Zudem haben Migranten häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Ein Beispiel kann die angenommene fehlende Anpassungsfähigkeit von Migranten sein. Aus der Perspektive der Einheimischen fallen sie aus der Rolle, wenn sie sich anders verhalten, als es landesüblich ist. Die Gesellschaft oder etwa die Bewohner eines Mietshauses setzen ein bestimmtes Verhalten voraus, das für alle verbindlich zur Norm gemacht wird. Der Druck, diesem Rollenbild gerecht werden zu müssen, ist ein hoher Stressfaktor.


Was kannst du selbst als Betroffener mit Migrationshintergrund tun?

Kommunikation ist das A und O. Wenn du mit anderen reden kannst, wird dir das bestimmt schon eine große Hilfe sein.  Probleme solltest du  nicht in dich hinein fressen und schon gar nicht versuchen sie selbst, also ohne Beistand, zu lösen.

Um eine Integration möglich zu machen bedarf es jedoch beider Seiten:  Es kommt auf dich an, aber auch gleichermaßen auf die "Alteingesessenen" - die neue Gesellschaft, in der du nun deinen Lebensmittelpunkt hast. Hier spielen natürlich die Sprache und die Sprachkenntnisse eine große Rolle. Es ist sicherlich unerlässlich, die Sprache der neuen Gesellschaft sprechen zu können. Eine Sprache birgt ein Identifikationspotential. Sie zu sprechen und verstehen zu können signalisiert nicht nur eine Offenheit für die neue Gesellschaft und für die neue Kultur, sondern bietet dir auch Orientierung.

Unterschiedliche Hautfarben und Religionen oder das Sprechen mit Akzent und weitere Faktoren können zur Wahrnehmung führen: „Ich bin anders“. Wichtig ist, dass du deine Sorgen nicht in  dich "reinfrisst". Geh doch mal auf Andere zu, dann werden sie auch auf dich zukommen.  Wenn sich der gewünschte Erfolg nicht gleich einstellt dann gib nicht gleich auf und wende dich zum Beispiel an helfende Dritte, die vermitteln können. Setz dich mit der Gesellschaft auseinander, in der du lebst, wachse hinein. Versuche die anderen zu verstehen, sprich mit ihnen, nur dann verstehst du sie und sie verstehen dich besser. 


Aufeinander zugehen

Je nachdem aus welchen Gründen die Migration geschah, ist es natürlich nicht immer einfach mit einer neuen Gesellschaft und neuen Regeln fertig zu werden, sich in dieser neuen Umgebung wohl und heimatlich zu fühlen. Dabei ist die Offenheit beider Seiten immens wichtig. Wenn du dich in der Gesellschaft angenommen fühlen kannst und die Bereitschaft zeigst, aufgenommen zu werden, dann kannst du krankmachende Faktoren vermeiden. Setz dich mit deinen Gefühlen und Erwartungen auseinander - und wenn du zum Beispiel unter Heimweh leidest, dann gesteh es dir ein. Dass du deine alte und vertraute Umgebung vermisst, ist normal und selbstverständlich. Krankmachend ist die Situation erst, wenn du deinen Leidensdruck verleugnest.

Wenn du bereits unter krankmachenden Auswirkungen deines Migrationshintergrundes wie Isolation, Heimweh, Einsamkeit leidest oder dich unverstanden fühlst, dann kannst du dich an verschiedene Stellen wenden. Es gibt  psychologische Beratung, Migrationsberatung,  Jugendberatungsstellen und weitere Stellen, bei denen du dir mit Rat und Tat zur Seite stehen lassen kannst.

(Interview: Christian Schütz, Text: Sylvie von Nida, Red.) 

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Erstelldatum des Artikels: 25.11.2010, letzte Aktualisierung am: 19.12.2010

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