Passwort vergessen

Einloggen

Dein Ansprechpartner zum Artikel

Dieter Wenzel Dieter Wenzel


Stadt Darmstadt, Baudezernat/Dezernat VI, Darmstadt Ausbildung: Dipl. Ing., Architekt Tätigkeit: * 1986 bis 1993 technischer Angestellter in kommunalen Baugesellschaften in Darmstadt und Hanau * 1993 bis 2003 selbständiger Architekt in Darmstadt * seit 1991 Mitglied der Architektenkammer Hessen * seit 1994 verheiratet, zwei Töchter * politische Arbeit: seit 1977 Mitglied der SPD * 1997 bis 2000 Vorsitzender der SPD Darmstadt-Mitte * 1997 bis 2003 Stadtverordneter * 2001 bis 2003 stellv. Fraktionsvorsitzender und baupolitischer Sprecher * seit 2003 hauptamtlicher Stadtrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt http://www.darmstadt.de

Werbung

twitter
    Verbindung zum Twitterserver fehlgeschlagen
boyng.de > Chance Deutschland > Tipps > Chance Deutschland- Bessere Chancen für Jugendliche am Arbeitsmarkt
Haupttext Kommentare & Fragen
Druckansicht | http://www.boyng.de/6247

Chance Deutschland- Bessere Chancen für Jugendliche am Arbeitsmarkt
Über den Tellerrand schauen und offen sein für Neues

Man hört es immer wieder: Steigende Arbeitslosenzahlen in ganz Deutschland. Das Thema ist ständig präsent in den Medien. Gerade für junge Leute wird die Situation immer verzwickter, besonders für Jugendliche mit Migrationshintergrund kann es schwer sein, sich am Arbeitsmarkt zu integrieren. Was müsste man ändern, um die Situation der Jugend im Land zu verbessern? Wo sind aber auf unserem Arbeitsmarkt vielleicht auch die Chancen für die junge Generation?

Ausbildung-Neu in Deutschland

Im Rahmen unserer Reihe "Neu in Deutschland" haben wir ein Interview mit dem Darmstädter Stadtrat Dieter Wenzel durchgeführt, welcher u.a. für die Bereiche Bauaufsichts-, Hochbau- und Maschinenamt zuständig ist.


Starres deutsches Schulsystem ohne Zukunft

boyng.de: Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird immer schwieriger. Welche Probleme/ Schwierigkeiten ergeben sich für Jugendliche,gerade auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund?    

Dieter Wenzel: Die grundlegenden Probleme sind meines Erachtens zum Einen, dass es immer weniger Ausbildungs- und Arbeitsangebote für niedriger qualifizierte Jugendliche gibt. In vielen Bereichen – gerade im Handwerk - wird der Abschluss Abitur verlangt, wo es früher auch die mittlere Reife getan hat. Und ein Hauptschulabschluss ist ja fast schon ein Muster ohne Wert geworden. Das betrifft junge Leute mit Migrationshintergrund natürlich umso stärker, je geringer ihre Sprachkenntnisse sind. Zum anderen ist die Kooperation zwischen Schulen und Ausbildungsstätten gelinde gesagt ausbaufähig. Da müssen Zielvereinbarungen her, an die sich beide Seiten gebunden fühlen. Jede Schülerin, die nicht den für sie höchst möglichen Abschluss schafft, jeder Schüler, der ohne Abschluss von der Schule abgeht, stellt ein Armutszeugnis für unser Bildungssystem dar und ist volkswirtschaftlicher Irrsinn. Die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen ja, dass dieses starre dreigliedrige Schulsystem keine Zukunft hat.  




Chancen der Jugend am Arbeitsmarkt

boyng.de: Wo sind vielleicht auch gerade die Chancen für junge Leute?

Dieter Wenzel:  Junge Leute bieten Firmen die Chance, dass das in langen Jahren angeeignete Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen weitergegeben wird und nicht verloren geht. Ausbildung ist ja keine Gnade, sondern einen wirtschaftspolitische Notwendigkeit. Gut ausgebildete Fachkräfte sichern gerade kleinen Handwerksbetrieben, aber auch den Weltkonzernen ihre Zukunftsfähigkeit. Und junge engagierte Leute bringen vielleicht auch mal frischen Wind in verkrustete Strukturen. Ganz abgesehen davon, dass sie oftmals neuen Technologien gegenüber aufgeschlossener sind als die älteren Mitarbeiter. Und für junge Leute mit Migrationshintergrund sehe ich gerade in einer globalisierten Wirtschaftswelt die Chance, ihre sprachlichen und sonstigen kulturellen Fähigkeiten zum Wohl des jeweiligen Unternehmens einzubringen.

boyng.de: Was könnte/müsste man am deutschen Arbeitsmarkt ändern, um die Situation für Jugendliche zu verbessern?

Dieter Wenzel:  Einfache Lösungen gibt es da nicht. Es ist sicherlich ein Bündel an Maßnahmen, mit dem die Lage am Arbeitsmarkt verbessert werden könnte. Das reicht von der von mir bereits angesprochenen engeren Zusammenarbeit zwischen Schule und Ausbildungsstätten, über die notwendige Einsicht von Personalchefs, dass sich die Ausbildung von Nachwuchskräften für den Betrieb rechnet bis hin zu verstärkten Nutzung von Ausbildungskooperationen. Wenn eine Firma aufgrund ihrer Kapazität allein nicht ausbilden kann, kann sie es vielleicht mit einem Partnerbetrieb. Und letztendlich gilt für mich: Wer nicht ausbilden will, soll zahlen.  

boyng.de: Zur Situation im Baudezernat: Wie hoch liegt der Anteil an Mitarbeitern mit Migrationshintergrund?

Dieter Wenzel: Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Es gibt hierüber zurzeit keine Statistik. Eine umfassende Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, die unter anderem diese Frage stellt, ist in Vorbereitung. Es gibt allerdings noch Abstimmungsbedarf zwischen unseren Statistikern und dem Gesamtpersonalrat.


32 neue Auszubildende 2006 im Baudezernat Darmstadt


boyng.de: Kürzlich hatten wir ein Interview mit einem Niederlassungsleiter der Baugruppe Gross. Dieser beschwerte sich über fehlende Arbeitsmoral und Disziplin der jüngeren Mitarbeiter (Nichterscheinen, Prügeleien). Was für Erfahrungen haben Sie oder andere aus dem Baudezernat mit jungen Angestellten gemacht?

Dieter Wenzel: Durchweg positive. Die Leute, die bei uns anfangen, sind in aller Regel motiviert und aufgeschlossen. Das liegt bei den Auszubildenden aber auch daran, dass sich unsere Personalabteilung viel Mühe gibt und sie intensiv betreut. Die Stadt bildet ja schon seit Jahren über den eigenen Bedarf aus. In diesem Jahr zum Beispiel stellen wir 32 Auszubildende und 10 Beamtenanwärterinnen und -anwärter ein. Und weil sie bei uns eine anerkannt gute Ausbildung bekommen, finden fast alle nach ihrem Abschluss schnell einen Arbeitsplatz.

boyng.de: Welche positiven, erfreulichen Erfahrungen haben Sie durch Multikulturalität am Arbeitsplatz gemacht?

Dieter Wenzel: Zu meinem Dezernat gehört ja nicht nur der Bau- und Planungsbereich, sondern auch das Bürger- und Ordnungsamt. Und in der dortigen Ausländerbehörde haben wir einige Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund sitzen. Dies wirkt sich natürlich positiv auf die Arbeit aus. Denn mal ehrlich: Gehen Sie gerne auf ein Amt? Wenn für Sie als Ausländer eventuell    auch noch Verständigungsprobleme dazu kommen, wird es noch schwieriger. Dann ist es schon von Vorteil, wenn Sie von der Sachbearbeiterin oder dem Sachbearbeiter in Ihrer Muttersprache angesprochen werden können.


Besser auf dem Arbeitsmarkt zurecht kommen

boyng.de: Haben Sie Tipps, gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund, damit es ihnen leichter fällt, sich besser auf dem Arbeitsmarkt zurecht zu finden?

Dieter Wenzel: Es klingt vielleicht altmodisch, ist es aber meiner Meinung nach nicht: Wenn das Bewerbungsschreiben vor Rechtschreibfehlern strotzt, hat man schon verloren. Wer sich nicht sprachlich ordentlich verständigen kann, wird es schwer haben. Und Zuverlässigkeit ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere. Was mir bei Bewerbungen immer wieder positiv auffällt, sind Hinweise auf absolvierte Praktika, Mitarbeit in Organisationen oder spezielle Kenntnisse. Wenn jemand als Übungsleiter im Sportverein Verantwortung übernimmt oder in einem Jugendverband Ferienspiele organisiert, dann zeigt mir das, dass die Bewerberin oder der Bewerber über den eigenen Tellerrand schaut und offen ist für Neues. 

                        Danke für dieses Interview!
 

( Interview: Anna Appelrath )

Dieses Projekt wird gefördert von:

1

Erstelldatum des Artikels: 24.08.2006, letzte Aktualisierung am: 10.12.2010

Artikel bewerten

Klicke auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten:

nicht lesenswertgeht grade somittelmäßigguter Artikelsehr guter und informativer Artikel

Dieser Artikel wurde von 33 Besuchern durchschnittlich mit 2.6 von 5 Sternen bewertet.

Social Bookmarks:

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Wir stehen für einen guten Start in den Beruf

Merck KGaA Europäischer Sozialfonds Fachhochschule Wiesbaden Heuse Bestattungen HSE Stiftung