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Bernhard Münch Bernhard Münch


Jugendagentur Heidelberg e.V. Ausbildung: Ausbildung zum Fernmeldehandwerker 1989 Fachhochschulreife Studium der Sozialpädagogik Abschluss als Diplom Sozialpädagoge FH 1996 Tätigkeit: Honorarkraft als sogenannter Jobcoach der Jugendagentur Heidelberg e.V.: Berufsberatung, Sozial- und Lebensplanung an der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) http://www.jugendagentur-hd.de/ http://www.igh.hd.bw.schule.de/

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Chance Deutschland: Berufsberatung: Traumvorstellung trifft auf Realität
Wichtig ist, sich zu fragen, wer man ist und was man machen will!

In der Berufsberatung von Jugendlichen, insbesondere von Migranten/Migrantinnen stößt man auf ganz spezielle Probleme. Oft wissen die Jugendlichen nicht, in welche berufliche Richtung sie überhaupt gehen wollen oder sie beschränken sich auf nur ganz wenige Klischeeberufe wie Arzthelferin oder KFZ-Mechatroniker. Der Jobcoach/Berufsberater bei der Jugendagentur e.V. in Heidelberg versucht diesen Jugendlichen in seiner Beratung neue Horizonte zu eröffnen.

Ausbildung-Neu in Deutschland

Internationale Gesamtschule Heidelberg


Die Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) lebt von dem Gedanken der Internationalität und Friedenserziehung. Es ist eine Ganztagsschule mit ca. 1800 Schülern/Schülerinnen in verschiedenen Schulzweigen. Die Schüler/Schülerinnen kommen aus mindestens 71 Herkunftsländern und setzen sich aus 62 Nationalitäten zusammen. 81 % von ihnen haben die deutsche Nationalität.Weitere Informationen unter http://www.igh.hd.bw.schule.de/igh/zahlen/

Auch in der Nähe von Darmstadt befindet sich eine Internationale Schule das Schuldorf Bergstraße

In Frankfurt befindet sich die Internationale Schule Frankfurt (ISF)


Beratungsarbeit


In der Beratung arbeite ich mit Schülern/Schülerinnen aus den Klassen 8 und 9 des Hauptschulzweiges. Insgesamt betreue ich 6 Klassen. Ich stehe im engen Kontakt mit den Lehrern, die mir Informationen zu den Schülern/Schülerinnen geben. Ich stelle mich dann in den Klassen vor und mache den Schülern/Schülerinnen das Angebot in meine Sprechstunde zu kommen. Wichtig dabei ist die Freiwilligkeit, die Schüler/Schülerinnen werden also nicht gezwungen zu mir zu kommen. 


Vertrauen ist wichtig


In der Beratung selbst führe ich entweder Einzel- oder Gruppengespräche. Dabei frage ich anfangs sowohl nach Noten, schwierigen Fächern, aber auch Fähigkeiten/Fertigkeiten und Hobbies außerhalb der Schule.

Die Arbeit findet nach diesem formalen Einstieg in einer sehr persönlichen Atmosphäre statt.

Vertrauen ist dabei sehr wichtig, nur durch ihr Vertrauen habe ich erst die Möglichkeit zu beraten. Der Hauptteil derjenigen, die zu mir in die Beratung kommen, haben einen Migrationshintergrund. Schüler/Schülerinnen, die zu mir kommen sind Türken, Kurden, Griechen, Amerikaner, Afroamerikaner, Russen, Polen, Brasilianer...
Also die Welt trifft sich bei der Weltmeisterschaft bei Freunden, bei mir trifft sie sich im Beratungszimmer.


Traumvorstellungen und Realität


Die Vorkenntnisse der einzelnen Ratsuchenden sind dabei sehr unterschiedlich. Viele haben noch überhaupt keine Vorstellung von dem, was sie später mal machen wollen.
Dabei ist es besonders wichtig, konkrete Vorstellungen von dem Beruf zu haben, den man erlernen möchte. Vieles wird hier auch unrealistisch eingeschätzt. Viele Mädchen wollen zum Beispiel Sängerin oder Schauspielerin werden. Dass eine solche Arbeit aber mit viel Entbehrung und Leistung zusammenhängt ist vielen nicht klar.

Ich versuche sie anzuregen, erst mal zu schauen, was diesen Beruf ausmacht. Oft wird nur an Britney Spears oder Angelina Jolie gedacht, die Millionen verdienen. Der harte Weg dorthin ist vielen aber nicht bewusst.Neben dieser allgemeinen Orientierung zu den Berufsbildern helfe ich bspw. konkret bei der Suche nach Praktikumsplätzen oder zeige ihnen auf, welche weiteren schulischen Qualifizierungsmöglichkeiten sie haben, Dabei ist es ganz wichtig, realistisch zu bleiben und aufzuzeigen, welche Anforderungen verschiedene Berufsbilder haben.


Motivation zum Lernen - Lebensplan


Im Prinzip ist der Hauptteil meiner Arbeit, die Motivation zum Lernen anzuregen.
Ich kann dabei versuchen zwischen Familie, Lehrer und wichtigen Ansprechpersonen zu vermitteln und Brücken zu bauen, gerade bei Migranten/Migrantinnen kann das sehr wichtig sein. Aber das eigene Interesse und den eigenen Antrieb kann ich nicht ersetzen.
Nur die eigene Motivation kann zu einer erfolgreichen Berufsorientierung und Abschluss eines Lehrvertrages führen. Das ist der wichtigste Punkt.
Ziel ist es, dass der Einzelne/die Einzelne am Ende meiner Beratung eine Perspektive hat, das heißt er oder sie weiß wo es zukünftig lang gehen soll und welche Möglichkeiten für sie/ihn offen stehen. Dabei ist es wichtig realistisch zu bleiben, aber trotzdem das Potential zu entdecken.


Spezielle Herausforderung bei der Arbeit mit Migranten /Migrantinnen


Die Hauptschwierigkeit der Schüler/Schülerinnen mit Migrationshintergrund  ist die deutsche Sprache. Viele scheitern gerade bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Praktikumsplatz an dieser Hürde.

Weitere Schwierigkeiten ergeben sich durch kulturelle Unterschiede. Dazu gehören unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten. In vielen Ländern, aus denen die Ratsuchenden kommen, ist die Frauenrolle noch viel traditioneller und die Gesellschaft geprägt durch patriarchalische Strukturen, d.h. der Mann ist Ernährer der Familie und die Frau bleibt zu Hause.
Das wirkt sich natürlich auch auf die Berufswünsche aus, sogenannte Klischeeberufe wie Friseurin, Arzthelferin bei Mädchen oder KFZ-Mechatroniker und andere Handwerksberufe stehen hoch im Kurs bei den Migranten/Migrantinnen. Andere Berufe werden gar nicht in Betracht gezogen. Viele Migranten/Migrantinnen machen auch sehr widersprüchliche Erfahrungen. Auf der einen Seite haben sie ein traditionell geprägtes Elternhaus und auf der anderen Seite die mediale Welt des Fernsehens und Internets, die eine ganz andere Gesellschaftsordnung  und Identitätsvorschläge aufzeigt.
Diese verschiedenen Welten sind die Grundlage für die eigene Selbsteinschätzung, die unter solchen inkonsistenten Erfahrungen natürlich schwieriger sein kann.


Potentiale: Toleranz und Identitätsfindung


Allgemein steckt in Migration das Potential für mehr Toleranz in einer Gesellschaft. Das Verständnis für andere Kulturen kann dadurch gestärkt werden.
Aber nicht nur für die Gesellschaft, sondern für den Einzelnen, kann die
Migrationserfahrung eine Bereicherung und Chance sein. Durch die Entwurzelung aus dem Heimatland wird der Einzelne im weiteren Maße gezwungen sich mit seiner Identität zu beschäftigen, als derjenige, der eine solche Erfahrungen nicht macht. Die grundlegende Frage: „Wer bin ich eigentlich?“ stellen sich Migranten/ Migrantinnen in besonderer Weise. Weiterhin kann der Migrationsstatus dazu führen, dass man lernt, besser mit Konflikten umzugehen. Für die meisten ist die Migration nicht geradlinig und einfach, sondern es muss auch gegen viele Vorurteile angekämpft werden. Konfliktfähigkeit und eine gewachsene Persönlichkeit, solche sogenannten „Softskills“ sind gerade auch bei Personalverantwortlichen gerne gesehen und können über eine etwas schlechtere Note hin weg helfen.Also nicht nur die Muttersprache als Fähigkeit kann den Ausschlag für eine erfolgreiche Bewerbung sein, sondern auch gerade die Auswirkungen auf eine wachsende Persönlichkeit durch Migration. Deshalb: Migrationserfahrung kann zur Chance werden, statt Hindernis zu bleiben/sein.  

[Interview und Text: Sabrina Rieger]

Dieses Projekt wird gefördert von: 

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Erstelldatum des Artikels: 29.06.2006, letzte Aktualisierung am: 10.12.2010

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nicht lesenswertgeht grade somittelmäßigguter Artikelsehr guter und informativer Artikel

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