Passwort vergessen

Einloggen

Dein Ansprechpartner zum Artikel

Jelena Sunjic Jelena Sunjic


Verkehrsministeriumretärin, Mostar, Bosnien-Herzegowina Ausbildung: Maschinenbaustudium Tätigkeit: Sekretärin, Mostar, Verkehrsministerium, Bosnien-Herzegowina

Werbung

twitter
    Verbindung zum Twitterserver fehlgeschlagen
boyng.de > Chance Deutschland > Erfahrungsberichte > Chance Deutschland: Nach dem Studium oder Praktikum in Deutschland mit neuen Erfahrungen zurück in die Heimat!
Haupttext Kommentare & Fragen
Druckansicht | http://www.boyng.de/6753

Chance Deutschland: Nach dem Studium oder Praktikum in Deutschland mit neuen Erfahrungen zurück in die Heimat!
Sehnsucht nach der Familie: gut ausgebildet zurück in Bosnien-Herzegowina

Auslandserfahrungen sind gut für die Karriere, aber nicht immer sind sie geplant und freiwillig. Jelena (39) aus Mostar musste diese Erfahrung machen. Während des Krieges war sie in Deutschland, arbeitete für eine Hilfsorganisation. Danach konnte sie ihr Maschinenbaustudium nicht mehr fortsetzen. Seit 1997 lebt sie wieder in Mostar mit Mann und Tochter Monika (6).

Brutal - nein danke

In Kriegs- und Krisenzeiten ist alles anders. Juni 1993 in Bosnien-Herzegowina: Der Hass ist groß, tödliche Feindschaften entstehen, auf der anderen Seite aber auch große Hilfsbereitschaft, auch Unbekannten gegenüber. Das kennt auch Jelena (24). Sie lebt mit ihrer Familie in Mostar und studiert Maschinenbau.
Mostar, Januar 1997: Das Land ist zerstört, Ruinen, keine Infrastruktur. In dieses Land kehrt Jelena nach dreieinhalb interessanten, guten Jahren in Deutschland nach Mostar zurück, weil sie ihre Familie vermisst und glücklich ist, dass alle noch am Leben sind. Die Rückkehr war schwer und leicht zugleich. Sie schildert ihre Erfahrungen im Ausland und der veränderten Heimat.

Hilfsbereitschaft und Hass nebeneinander

"Eines abends  standen fünf Mitarbeiter einer deutschen Hilfsorganisation vor der Tür eines Freundes. Sie brachten mit LKW Hilfsgüter nach Mostar, aber sie hatten kein Quartier. Meine  Familie bot den Fremden ein Schlafquartier in unerem Haus. Man kannte sich nicht, keiner sprach oder verstand die Sprache des anderen, aber man hatte ein gutes Gefühl. Es entwickelte sich eine Vertrautheit, auch ohne Worte. Die Helfer kamen wieder, brachten Hilfsgüter für Mostar und besuchten meine Familie.
Damals half ich in der Gemeinde bei der Verteilung von Lebensmitteln. Die Leute von „Teamwork“, so hieß die Gruppe der Deutschen Humanitären Stiftung (DHS) www.dhst.org überredeten mich nach Deutschland zu kommen– statt Worte nutzten wir wild gestikulierend Hände und Füße. Ich sollte dort sehen, wie in Deutschland Hilfsgüter gesammelt und Konvois in das Kriegsgebiet organisiert werden. Ich blieb drei Wochen als Gast bei Teamwork in der Pfalz. Die Deutsche Humanitäre Stiftung (DHST) ist eine Stiftung und eine private Initiative zur Kinder-, Flüchtlings- und Katastrophenhilfe. Alles war neu und vor allem: Es gab keine Granaten. Ich half bei den Spendenaufrufen und organisierte die Hilfsgüterlieferungen mit für meine Landsleute.

Rückreise mit Umkehr

Die drei Wochen vergingen schnell, ich machte mich auf den Weg zurück nach Mostar. Direkt war das nicht möglich. Ich musste in Zagreb umsteigen, keine Verbindung nach Mostar für die nächsten fünf Tage. Es hieß, keiner dürfe mehr nach Mostar rein oder raus. Auch meine deutschen Freunde hörten die Nachrichten und machten sich Sorgen um mich. Sie setzten alles in Bewegung, es war nicht ganz einfach, aber sie sorgten für Visum und Reisepapiere zur Rückkehr nach Deutschland. Hier blieb ich dann insgesamt 3,5 Jahre.
Ich lernte Deutsch, machte den Führerschein, arbeitete am Computer, übersetzte und half so gut es ging bei der Stiftung. Gemeinsam mit einer bosnischen Frau besuchte ich eine Sprachenschule. Die junge Frau aus Foèa wurde von Soldaten vergewaltigt. Sie wurde in Deutschland betreut.
Deutschland wurde meine zweite Heimat: ich war nicht einsam, ich hatte Freunde und eine Arbeit gefunden, ich wäre auch gerne dort geblieben. Ich wusste aber, dass ich wieder nach Mostar zurückkehren werde. Denn ich vermisste meine Familie – dieses Gefühl war entscheidend, denn eine Familie fehlte mir in Deutschland. 1997: Der Krieg war vorbei und ich wollte mein Leben in meinem Heimatland neu organisieren.
Anfangs fühlte ich mich auch ganz wie zuhause. Aber ich hatte mich an manches gewöhnt, das in Deutschland selbstverständlich ist, doch hier nicht: Ordnung in den Behörden, Transaktionen bei der Bank. Wenn man hier eine kleine, ganz normale Sache tun wollte, musste man auf Beziehungen und Kontakte zurückgreifen. In diesen Momenten habe ich Deutschland sehr vermisst. Ich vermisse auch meine Freunde aus Deutschland, gerade am Anfang nach meiner Rückkehr hatte ich in Mostar nur noch wenige Freunde, viele hatten die Stadt während des Krieges verlassen.

Ruinen, Heimat und Familie

Das Land hatte sich stark verändert, vieles war zerstört, überall Ruinen und Dinge, die an den Krieg erinnerten. Aber meine Familie war am Leben, das allein zählte für mich. Von Kindheit an bin ich es gewohnt, mich alleine durch das Leben zu schlagen. Ich war schon immer sehr optimistisch, und war überzeugt, dass ich alles, was ich erreichen will, auch erreichen kann. Und jetzt wollte ich in meinem Heimatland wieder Fuß fassen.
Ich hatte immer noch Sehnsucht nach den Freunden in Deutschland, nach einem Besuch dort habe ich angefangen, Arbeit zu suchen. Es gab keine Industrie, keinen Handel, keine Stellen. Aber die UN-Kräfte waren in Mostar, auch die Bundeswehr. An die schickte ich meine Bewerbung. Ich sprach mit vielen Leuten, bat sie, mich mit meinen Computer- und Deutschkenntnissen zu empfehlen, sich umzuhören nach Stellen. Ich wurde zum Vorstellungsgespräch ins Verkehrsministerium eingeladen, Jobangebot Sekretärin. Ich hatte die Stelle, konnte sofort anfangen und war glücklich. Am selben Tag wurde ich auch zur Bundeswehr eingeladen. Ein Jobangebot im Büro für Presseüberarbeitung und Übersetzungen, Texte übersetzen und Gespräche mit Einheimischen dolmetschen. Eigentlich genau das, was ich wollte, aber ich hatte ja schon im Verkehrsministerium zugesagt und in dieser Stelle arbeite ich heute noch. Ich hatte kein Interesse mehr, mein Maschinenbau-Studium fortzusetzen, ich wollte lieber einen festen Job, auch wenn der schlechter bezahlt war. Ein Studium kostet viel Geld und Zeit.

Erfahrungen sammeln, Kontakte knüpfen, Wichtiges erkennen und flexibel sein

Meine Erfahrungen in Deutschland haben mich auf jeden Fall weitergebracht. Ich habe mich für den Job qualifiziert, Computer- und Sprachkenntnisse erworben, die andere Bewerber in Mostar nicht vorweisen konnten, vor allem bin ich auch selbstbewusster geworden. Ich konnte Vorschläge und Anregungen zur Organisation geben, schildern wie Vorgänge in Deutschland ablaufen und auf unsere Gegebenheiten übertragen. Ich konnte Kontakte zu verschiedenen Branchen herstellen, zu Botschaften und Handeslkammern, beispielsweise aus Österreich. Seit der Geburt meiner Tochter Monika (6) trete ich im Job ein bisschen kürzer. Leider bietet unsere Stadt den Kindern noch nicht viel. Es fehlen Parks, Spielplätze, Sportmöglichkeiten für Kinder, aber auch hier glaube ich, dass wieder bessere Zeiten kommen.
Ich würde jungen Leuten immer raten, für Praktika, Studium oder zur Saisonarbeit ins Ausland zu gehen, um verschiedene Erfahrungen zu sammeln und diese zu nutzen. Ich habe für mich Prioritäten gesetzt, die Vorteile des Bleibens in Deutschland und der Rückkehr nach Mostar für mich abgewogen und entschieden. Man muss sich selbst sicher sein, was wertvoll ist, diese Entscheidung überzeugt durchziehen, nicht hadern und das Beste daraus machen. In allen Situationen ist es hilfreich und schön, Freunde zu haben, die findet man, wenn man offen aufeinander zugeht. Freundschaften und Kontakte kann man heute so gut per E-Mail pflegen. So kommt schließlich auch mein Text zu euch.
Eine Gefahr besteht darin, dass manche eine ganz bestimmte Vorstellung haben, was sie machen wollen, nichts anderes akzeptieren und dann warten, bis ihnen genau das begegnet. Wer bereit ist, flexibel zu sein und Verschiedenes anzupacken, bis der Traumjob kommt, der ist auf einem guten, sinnvollen Weg."
Interview: Maria M. Held

Dieses Projekt wird gefördert von:

1

Erstelldatum des Artikels: 15.11.2007, letzte Aktualisierung am: 30.11.2010

Artikel bewerten

Klicke auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten:

nicht lesenswertgeht grade somittelmäßigguter Artikelsehr guter und informativer Artikel

Dieser Artikel wurde von 5 Besuchern durchschnittlich mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Social Bookmarks:

Wir stehen für einen guten Start in den Beruf

Jäger Direkt GmbH & Co. KG Hochschule Darmstadt Heuse Bestattungen TU Darmstadt HSE Stiftung