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Denis Kuryschko Denis Kuryschko


Fraunhofer Institut, Darmstadt Ausbildung: Fachinformatiker für Systemintegration Tätigkeit: Windows-Netzwerk-Administrator bei Fraunhofer-Institut für Sichere Informations-Technologie (SIT) http://www.sit.fraunhofer.de

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Chance Deutschland: Du willst einen guten Ausbildungsplatz?
Zielstrebig an Qualifikation und Abschlüssen arbeiten!

Denis Kuryschko kam im November 1992 mit 20 Jahren aus Kasachstan im Zuge der deutschen „Aussiedlerpolitik“ nach Deutschland, da er mütterlicherseits ethnisch-deutsch ist. 1997 machte er eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei der GMD und ist heute beim Fraunhofer Institut fest eingestellt. Was hat er erlebt und wie ist er dorthin gekommen, wo er heute ist?

boyng.de: Wann sind Sie nach Deutschland gekommen? Ich kam im November 1992 nach Deutschland. Da ich in Russland den Wehrdienst noch absolvieren musste, folgte ich meiner Familie etwas später. Meine Familie war nach Schwallbach im Main-Taunus in eine Übergangswohnung gekommen. Die Verteilung der Aussiedler verlief nach dem Zufallsprinzip. boyng.de: Konnten Sie bereits Deutsch oder haben Sie es erst lernen müssen? Als ich nach Deutschland kam, hatte ich so gut wie keine Deutschkenntnisse. In der Schule in Russland hatte ich nur Englisch gelernt und trotz meiner ethnisch-deutschen Herkunft, sprachen wir zu Hause nicht Deutsch sondern Russisch. Für die Aussiedler gab es achtmonatige Sprachkurse, die uns die Integration erleichtern sollten. Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Ländern und der Kurs wurde ausschließlich in Deutsch gehalten. Trotzdem brachte der Kurs mir nicht viel, da ich vorher keine großartigen Grundkenntnisse der Sprache besessen hatte. Meine Mutter z.B. hatte nach diesem Kurs ihr Deutsch sehr schnell verbessert, aber sie hatte auch schon vorher Deutsch verstanden.  boyng.de: Wie war Ihr Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt?In Russland hatte ich die Hochschulreife erworben, die mir hier in Deutschland als Realschulabschluss anerkannt wurde. Trotz Abschluss war ich ungefähr sechs Monate lang arbeitssuchend. Ich habe versucht etwas zu finden oder auch vom Arbeitsamt finden zu lassen, was mit meinen Deutschkenntnissen machbar gewesen wäre. Ich bewarb mich z.B. in einer Fabrik in Schmitten/Taunus. 1993 bin ich dann auch nach Darmstadt gezogen und hatte zunächst auch mit dem Umzug zutun. Meinem Sachbearbeiter beim Arbeitsamt erzählte ich, dass ich in Russland in einem Fotolabor gearbeitet hatte, woraufhin er mich an ein Fotolabor zu einem Bewerbungsgespräch weiter vermittelte. Erstaunlicherweise wurde ich trotz meinem schlechten Deutsch genommen.boyng.de: Verbesserte sich Ihr Deutsch durch die Arbeit im Fotolabor?

Nach einer relativ kurzen Einarbeitungsphase, war ich meistens alleine im Schnell-Labor, so dass der Kontakt zum Kunden immer vorhanden war. Ich bekam einen besseren Wortschatz, was Fachbegriffe betraf, die ich im Fotolabor verwendete, aber mein sonstiger Wortschatz blieb ungenügend. Ich verstand vor allem die Jugendsprache nicht und konnte z.B. nichts damit anfangen, wenn jemand von „Knete“ (im Sinn von Geld) sprach.

boyng.de: Wie kamen Sie zu Ihrer Ausbildung?

Da ich mich sehr für Informatik interessierte, beschloss ich im August 1995 eine Ausbildung zu machen. Ich kannte mich auf dem deutschen Ausbildungsmarkt nicht sehr gut aus. Ich informierte mich beim Arbeitsamt und so kam ich zu der DIBO-Berufsfachschule und machte dort eine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten. Der Aufbau war so, dass man 3 Wochen Praktikum machte und sonst ganz normal zur Schule ging. 1997 machte ich dort meinen Abschluss. Leider war man nach dem Abschluss der Berufsfachschule nicht fit genug für einen technischen Beruf, die praktische Erfahrung fehlte.

boyng.de: Wie kamen Sie dann zum Fraunhofer Institut?

Ich war sehr naiv, was meine Ausbildungsplatzsuche anging. Es war Ende Juli und ich wusste nicht wofür ich mich bewerben sollte. Einer meiner Mitschüler hatte bei der GMD (Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeiteung) ein Praktikum gemacht und empfahl mir, mich dort für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Ich ging dort, ohne mir viel dabei zu denken oder zu wissen auf welche Stelle ich mich eigentlich bewerben wollte, vorbei und hatte Glück, dass der Verwaltungsleiter Zeit für mich hatte. Das ist eigentlich die Art, wie man es nicht machen sollte. Ich erfuhr von ihm, dass die Ausbildungsplätze eigentlich seit Februar bereits vergeben seien. Als er aber mein gutes Zeugnis aus der Berufsfachschule sah, meinte, er, dass meine einzige Chance sei, wenn der erste auf der Warteliste abspringen würde. Ich muss einen sehr guten Eindruck gemacht haben, da er mir gesagt hatte, dass 10 Leute auf der Warteliste standen. Tatsächlich hatte ich das Glück, dass der Erste der Warteliste absprang und ich so die Stelle für eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bekam. Ich hatte wirklich riesiges Glück, denn das war die einzige Stelle, für die ich mich beworben hatte.

boyng.de: Welche Erfahrungen haben Sie in der Berufsschule gemacht?Es war für mich auf jeden Fall eine gute Erfahrung zur Schule gegangen zu sein. Ich war mit meinen 23 Jahren älter als die Meisten und war somit vielleicht vom Kopf her etwas ruhiger als die Anderen. Mir machte es zu schaffen, dass ich die deutsche Sprache nicht so gut beherrschte wie die anderen, die entweder selbst Deutsche waren oder aber zwar ausländische Eltern hatten, aber hier geboren waren.Trotzdem wurde ich gut aufgenommen und meine Mitschüler zeigten Interesse daran, dass ich aus einem anderen Land komme. Von den Lehrern wurde ich wie alle anderen auch behandelt. Zum Glück lernten wir vor allem technische Dinge und da musste man kein perfektes Deutsch beherrschen. boyng.de: Und wie war Ihr Einstieg in die Firma?

Mein Kollege und ich waren die Ersten seit Jahren, die in diesem Bereich wieder ausgebildet wurden. Daraus resultierte viel selbstständiges Arbeiten und so konnte ich natürlich auch viele praktische Erfahrungen sammeln. Am Arbeitsplatz machte es genauso wenig Unterschied, dass ich aus Russland kam, wie in der Berufsschule. Nach meiner Ausbildung bekam ich zunächst eine befristete Einstellung, die schließlich zu einer festen Einstellung wurde und ich bin heute immer noch sehr zufrieden mit meinem Arbeitsplatz.

boyng.de: Die Fraunhofer-Institute bieten E-Learning an, unter anderem gibt es Kurse "Deutsch als Fremdsprache", haben Sie solch einen Kurs auch gemacht?

Nein. Ich habe mir einmal eine Schnupperlektion angehört. Aber ich finde die Sache wirklich gut, weil immer Leute dahinter stehen, die eventuell aufkommende Fragen beantworten können, im Gegensatz zum autodidaktischen Lernen aus dem Buch.

boyng.de: Hat man Ihrer Ansicht nach als Nicht-Deutscher bestimmte Vor- oder Nachteile auf dem Arbeitsmarkt?Nein, meiner Meinung nach gibt es keine Nachteile für Ausländer. Es gibt sicherlich verschiedene Vorurteile, die aber auch positiv sein können und von denen man profitieren kann. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass es durchaus Arbeitgeber gibt, die sich für Migranten aus Russland interessieren, weil diese als besonders tüchtig gelten. Aber im Allgemeinen wird meiner Erfahrung nach kein Unterschied zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen gemacht. boyng.de: Was würden Sie anderen Migranten und Migrantinnen mit auf den Weg geben, die sich selbst auf Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsuche befinden?Es ist sehr wichtig, dass man seine Ziele zielstrebig verfolgt und keine Zeit verschwendet. Zu der Zeit, als ich auf Ausbildungsplatzsuche war, war es meiner Erfahrung nach, nicht schwierig eine gute Ausbildung oder einen Job zu bekommen. Es ist auch heute noch wichtig tüchtig zu sein, seine Seriosität unter Beweis zu stellen. Auch das Interesse daran, was man tut, ist wichtig, da das wiederum einen Einfluss auf das Engagement und die Noten hat. Auch Abschlüsse sind wichtig, wenn man auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter kommen will. Außerdem ist die Sprache eine Hürde, die man nehmen muss, wenn man eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben will. Gute Sprachkenntnisse helfen einem auch dabei Kontakte zu knüpfen.
Interview und Text von Eleonora Lebiedzinska (Red.)

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Erstelldatum des Artikels: 23.08.2005, letzte Aktualisierung am: 02.12.2010

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nicht lesenswertgeht grade somittelmäßigguter Artikelsehr guter und informativer Artikel

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